Was passiert bei der Atemphysiotherapie?

 

In der Atemphysiotherapie stehen die individuellen, funktionellen Beschwerden eines Patienten im Mittelpunkt. Auf der Basis der Kenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie wird die Auswahl der Techniken getroffen und der Ablauf der Behandlungen geplant.

Wesentlich sind für den Behandler u. a. folgende Ziele im Fokus:

  • Atemwahrnehmungsschulung
  • Sekretmangement -> festsitzendes Sekret soll mobilisiert werden
  • Hustentechniken -> spezielle Atem-und Hustentechniken werden vermittelt
  • Verbesserung der Beweglichkeit von Thorax, Wirbelsäule und Rippen
  • Anleitung geeigneter atemgymnastische Übungen
  • Inhalationsschulung
  • Auswahl geeigneter Hilfsmittel (Stenosen)

Die Atemphysiotherapie kann entscheidend dazu beitragen, eine veränderte Atemform wieder zu korrigieren. Sie unterstützt in jedem Falle die medikamentöse Therapie.

Die Atemphysiotherapie wird von speziell geschulten Physiotherapeuten durchgeführt.

Sie ist eine Kassenleistung und kann als solche vom Arzt verordnet werden (je nach Indikation handelt es sich dann um AT1 oder AT2 mit jeweils kurzer Behandlungsdauer oder um AT3 mit längerer Behandlungszeit).

 

Hier einige Indikations-Beispiele für Atemphysiotherapie:

  • COPD
  • Mukoviszidose (CF)
  • Atemwegserkrankungen im Säuglings- und Kindesalter
  • Lungenfibrose (DLPE = diffuse Lungenparenchymerkrankung)
  • Asthma bronchiale
  • Lungenemphysem
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Primäre ziliäre Dyskinesie (PZD), Katagenersyndrom
  • Pneumothorax
  • Bronchitis
  • Bronchiolitis
  • Lungentumor
  • und akute Hyperventilation
  • Sinusitis

 

Bei uns haben Patienten mit Atemwegsproblemen die Möglichkeit, individuelle Lösungen für ihre jeweilige Problematik zu finden.

Im Vordergrund der Behandlung steht in der Regel, die körperlichen Bedingungen für das erkrankte Organ (z.B. Lunge) zu verbessern, Mobilität und Ausdauer insgesamt zu optimieren.

Behandler und Therapeut sehen wir als ein „Team“ an. Gemeinsam wird entschieden, welches Hilfsmittel, welche Technik, welche Übungen(en) zur Anwendung kommen.

Unsere Therapeuten bilden sich zu diesem Thema regelmäßig fort und stehen in ständigem Austausch untereinander. Somit möchten wir gewährleistet, dass unsere Patienten stets die bestmögliche Behandlung bekommen.

Wissenwertes über die Atemphysiotherapie

Warum PEP-Atmung?

Warum PEP-Atmung?

PEP bedeutet "positive exspiratoric pressure", was so viel heißt wie positiver Ausatemdruck.
Bei dieser Atemtechnik sollen die Atemwege offengehalten werden, um einer möglichen Kollapstendenz der Bronchien (->Atemnot) entgegen zu wirken.

Die Stenose, die Patienten unwillkürlich oft einsetzten, um Atemnot positiv zu beeinflussen ist die Lippenbremse. Hierbei wir die gegen die locker (!) geschlossene Lippen verlängert ausgeatmet. Der Luftstrom ist so gebremst, die Luft kann besser entweichen. Vielen hilft diese Technik während oder nach einer Belastung /Anstrengung. Alternativ zu den Lippen kann ein individuell angepasster Strohhalm hilfreich sein.

Weitere Stenosen bzw. atemphysiotherapeutische HiIfsmittel wären: z.B.

  • Pari PEP-System
  • Ba Tube
  • Flutter, Pari O-PEP
  • RC Cornet ®

Bei Flutter und RC Cornet kommt neben dem Offenhalten der Bronchien noch die Oszillation (intrabronchial) hinzu. Diese bewirkt eine Veränderung in der Fließeigenschaft von Sekret. Das Abhusten von Sekret kann so unterstützt werden.

PEP-Atmung ist meist auch bei Patienten mit einer Lungenüberblähung (z.B. bei COPD, Lungenemphysem) angezeigt. Immer wieder angepasst durchgeführt kann so ein "Zu viel an Luft" und eine Richtung Einatmung verschobene Atemlage und daraus resultierende Kurzatmigkeit reduziert werden.

Unsere Therapeuten sind in der Handhabung der verschiedenen PEP-Möglichkeiten geschult und damit vertraut, problemorientiert die richtige PEP-Variante zu wählen, zu instruieren und beratend zur Seite zu stehen.

Warum Autogene Drainage (AD / MAD)?

Warum Autogene Drainage (AD / MAD)?

Die Autogene Drainage (AD) ist eine Selbsthilfetechnik für Patienten mit chron. Atemwegsproblemen für den Umgang mit festsitzendem Sekret.

Entwickelt wurde sie in Belgien von Jean Chevaillier. Sie wurde von Rita Kieselmann nach Deutschland gebracht und in modifizierter Form (MAD) besonders in der Behandlung von Mukoviszidose etabliert.

Oberstes Ziel ist es, zähes Bronchialsekret zu mobilisieren, effektiv innerhalb der Bronchien zu transportieren und möglichst vollständig abzuhusten. Dabei spielen das Offenhalten der Atemwege (Vermeiden von Kollapstendenzen) und optimal angepasste Strömungsgeschwindigkeiten während der Ausatmung eine große Rolle. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln (Stenosen -> PEP-Atmung) kann das Ganze individuell unterstützt oder auch mit der Nass-Inhalation kombiniert werden.

Beim Krankheitsbild Mukoviszidose beginnt die Schulung mit der AD / MAD beispielsweise bereits im Kindesalter. Aber auch andere Erkrankungen der Atemwege, die im Säuglings- und Kleinkindes-/Kindesalter eine Rolle spielen, werden bei uns behandelt.

Hinführung zur AD/MAD und "Großwerden" mit der AD/MAD sehen wir in unserer Praxis als Schwerpunkt schon bei unseren kleinen Patienten.

Selbstverständlich ist die Schulung und Kontrolle der Anwendung der AD/MAD in unserer Praxis bei allen Altersklassen ein wichtiger Teil der Therapie.

Wie hilft Inhalation?

Wie hilft Inhalation?

Festsitzendes Sekret in den Atemwegen ist ein idealer Nährboden für feuchtigkeitsliebende Keime und Bakterien. Es kann immer wieder zu entzündlichen Reaktionen in der Lunge führen.

Inhalation kann die Sekretmobilisation unterstützen. Der Arzt entscheidet mit dem Patienten anhand von seiner Erkrankung, welche Medikamente zum Einsatz kommen.

Wir schulen Sie gerne in der Handhabung der Inhalation und stehen Ihnen beratend in der Auswahl der für Sie richtigen Technik und der ggf. nötigen Hilfsmittel zur Seite.

Sowohl die Anwendung der Feucht-, als auch die Trocken- /Pulverinhalation wird bei uns in der Behandlung thematisiert und in die Praxis umgesetzt.

Welche Arten von Inhalation gibt es?

Es gibt verschiedene Formen der Inhalation. Welche die Geeignete ist, entscheidet der Arzt in Abhängigkeit der Symptomatik eines Patienten.

  • Feuchtinhalation mittels Kompressor oder Membran-Vernebler als reine Kochsalzinhalation oder in Kombination mit verschiedenen medizinischen Wirkstoffen
  • Trocken-Inhalation: Dazu zählen Dosier-Aerosole und Pulver-Inhalation mit diversen, z. T. sehr unterschiedlichen Applikationshilfen. Bei Dosier-Aerosolen empfiehlt sich gerade bei Patienten mit Einschränkungen bzgl. Wahrnehmung, Motorik und Kontrolle zur Erleichterung des Atemmanövers ein sogenannter Spacer (Vorschaltkammer)
  • Soweit möglich ist die Inhalation mit Mundstück immer der Maskeninhalation vorzuziehen, da bei Zweiterer ein großer Teil der medizinisch wirksamen Inhalte auf Haut und Lippen verloren geht und Verwirbelungen eine schlechtere Lungendeposition verursachen.

Alle Varianten verbindet die Tatsache, dass eine Inhalation nur bei korrekter Ausführung wirklich effektiv ist!

Warum ist Inhalationsschulung wichtig?

Primär ist eine gute Deposition der Wirkstoffe und auch die effektive Feuchtinhalation mit Kochsalz nur möglich, wenn die Patienten die technischen Grundprinzipien beherrschen. Weitere Aspekte wie die Beschaffenheit der Medikamente u. ä. erfordern zudem ein „Feintuning“, das nur mit hoher Fachkompetenz und direktem Austausch mit Geräte- und Pharmaindustrie erworben werden kann. Z. B. beeinflussen Faktoren wie die Teilchengröße im Medikament die richtige Geschwindigkeit des Atemflusses bei der Inhalation. Nur mit einer kompetenten Schulung, der Vieraugenkontrolle mit dem Therapeuten und einer laufenden Anpassung an die körperlichen und gesundheitlichen Gegebenheiten bewirkt der z. T. hohe Zeitaufwand der Inhalation auch eine echte Verbesserung der Sekretolyse und der Lungenhygiene.
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